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Wie erkenne ich, ob ein Kind eine Legasthenie hat?

Es gibt sehr unterschiedliche Probleme, die auf das Vorliegen einer Legasthenie hinweisen können. Im Vordergrund stehen Probleme beim Verschriftlichen von Wörtern und Erlesen von einzelnen Buchstaben und Wörtern.

Beim Rechtschreiben in den ersten drei Schuljahren haben die Kinder große Schwierigkeiten, einzelne Buchstaben zu unterscheiden und zu schreiben. Trotz Unterstützung fällt es den Kindern besonders schwer, für das gehörte Wort die richtigen Buchstaben zu finden. Einzelne Buchstaben werden weggelassen oder auch zusätzlich eingefügt. Z. B. wird anstatt "Haus" nur "Has" geschrieben, anstatt "Sonne" nur "Sne". Zum Teil werden nur Wortruinen verschriftlicht, wie z. B. "lmnof" für "Blumentopf". Auch das Abschreiben aus einem Buch oder von der Tafel gelingt nicht fehlerfrei. Zusätzlich ist oft die Handschrift unleserlich.

Beim Lesen fällt es den Kindern schwer, die einzelnen Laute zu verbinden. Zum Beispiel wird beim Wort Sonne nur der Anfang "So" lautiert, das Zusammenfügen mit den nachfolgenden Lauten misslingt jedoch. Insgesamt ist die Lesegeschwindigkeit erheblich herabgesetzt, einzelne Wörter werden mit großer Mühe nacheinander gelesen und der Sinn des Satzes wird häufig nicht verstanden.

Bei einzelnen Kindern fallen die Rechtschreibprobleme erst auf, wenn in der Schule ungeübte Diktate geschrieben werden.

In der dritten und vierten Klasse treten zusätzlich zu den Schwierigkeiten im Fach Deutsch Schwierigkeiten in anderen Fächern auf. Da für fast alle Fächer das Lesen Grundlage für den Wissenserwerb darstellt, sind legasthene Kinder in allen Schulfächern benachteiligt. Dies führt manchmal dazu, dass legasthene Kinder als dumm bezeichnet werden und das allgemeine Leistungsversagen auf mangelnde kognitive Fähigkeiten zurückgeführt wird. Dass der Hintergrund für die Schulschwierigkeiten eine Legasthenie ist, kann erst durch eine eingehende Diagnostik festgestellt werden.

Die Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben fallen auch bei den Hausaufgaben auf. Dies führt nicht selten dazu, dass verstärkt geübt wird. Obwohl seitens des Kindes und der Eltern viel Zeit und Mühe für das Üben aufgewandt wird, macht das Kind nur geringe, teilweise auch gar keine Fortschritte. Dies führt oft zu Spannungen zwischen den Eltern und dem Kind, da auf beiden Seiten schuldhaftes Versagen vermutet wird. In Folge dieser Entwicklung entstehen psychische Probleme beim Kind in Form von Ängsten, Traurigkeit, Herumkaspern und z. T. sogar aggressivem Verhalten.

Diese emotionalen Probleme und Verhaltensschwierigkeiten sind gerade bei legasthenen Kindern der dritten und vierten Klasse häufig erst der Auslöser für eine eingehende Untersuchung.

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