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Gibt es Legasthenie auch in den Fremdsprachen?

Kinder mit erheblichen Problemen beim Lesen und Rechtschreiben einer Fremdsprache haben auch häufig Probleme damit in der Muttersprache. Angaben zur Häufigkeit von Problemen beim Lesen und Rechtschreiben in einer Fremdsprache bei legasthenen Kindern fehlen.

Für die Auswahl der Schule ist das mögliche Auftreten einer Lese- und Rechtschreibstörung in Fremdsprachen eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Die verschiedenen Fremdsprachen stellen aufgrund ihrer Spracheigenschaften unterschiedliche Anforderungen an legasthene Kinder. Die sehr unregelmäßige Zuordnung von Laut zu Buchstaben stellt eine besondere Schwierigkeit im Englischen und Französischen dar. Im Französischen ist bedingt durch die Häufigkeit ähnlichklingender Laute eine Differenzierung für Legastheniker sehr schwer. Die Annahme, dass Latein aufgrund seiner hohen Übereinstimmung von Laut zu Buchstaben keine Probleme für legasthene Kinder darstellt, ist fraglich. Im Lateinischen besteht die Schwierigkeit darin, dass eine Buchstabenfolge exakt gelesen und gespeichert werden muss, um den Inhalt des Gelesenen zu verstehen. Da die Bedeutung einer Textpassage nicht selten durch wenige Buchstaben entscheidend verändert werden kann, ist ein sehr genaues Lesen notwendig. Der Rückgriff auf Kontextinformationen, der zum Textverständnis im Deutschen oder Englischen möglich ist, ist dagegen im Lateinischen weniger hilfreich.

Der Fremdsprachenerwerb stellt in der Regel für legasthene Kinder eine große Herausforderung da. Es ist deshalb wichtig, dass Eltern sich vorab in der weiterführenden Schule erkundigen, wie dort mit dem Problem Legasthenie und Fremdsprachen umgegangen wird. Kinder mit einer Legasthenie benötigen auch im Fremdsprachenunterricht intensive Unterstützung, didaktische Prinzipien, die das Vorhandensein einer Legasthenie berücksichtigen und gegebenenfalls eine spezifische Förderung.

Im rechtlichen Rahmen, festgelegt durch die Erlasse und Verwaltungsvorschriften (s.o.), wird die Legasthenie im Fremdsprachenerwerb in nur wenigen Bundesländern berücksichtigt. Insbesondere unterrichtsdidaktische Empfehlungen fehlen.

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